Lydia-Helen Pieles

10 Dinge, die mich Familienaufstellen gelehrt hat

Familienaufstellen ist eine tiefgehende und klärende Methode, die systemische Zusammenhänge sichtbar und erfahrbar machen kann. Ziel ist es, Klarheit, Bewusstsein und Ordnung zu schaffen und Verstrickungen zu lösen. Dadurch können neue Bewegungen entstehen:

Beziehungen können sich verändern, dysfunktionale Muster und Blockaden können sich lösen, Unabgeschlossenes kann zum Abschluss kommen und körperliche Symptome sowie Krankheiten können sich verbesseren. Frieden kann entstehen, wo lange Konflikt war und Heilung, wo sie kaum noch vorstellbar erschien. Unsere Vergangenheit können wir nicht verändern, aber wir können verändern, wie wir mit dem Erlebten jetzt in Beziehung stehen. Wir können nachnähren, nachholen und neu beginnen.
Es ist nie zu spät für Veränderung, Heilung, Liebe und Frieden in unseren Systemen und in unserem Leben.

Der Begriff „Familienaufstellung“ greift eigentlich zu kurz, denn die Möglichkeiten der Aufstellungsarbeit sind sehr vielseitig. Zwar haben viele Themen ihren Ursprung im Familiensystem, weshalb es im klassischen Sinne vor allem um Ordnungsfragen in Familiensystemen sowie das Sichtbarwerden unbewusster Beziehungsdynamiken und Verstrickungen geht. Grundsätzlich lässt sich aber jedes Lebensthema aufstellen.

Es zeigt sich immer wieder, dass manche Themen auch erst in Bewegung kommen, wenn ihre tieferliegenden systemischen Zusammenhänge sichtbar werden. Denn was systemisch gebunden ist, braucht auch eine systemische Betrachtung, um in Klärung kommen zu können.

Das kann z.B. der Fall sein, wenn etwas unerklärlich oder der aktuellen Situation unangemessen erscheint, immer wiederkehrt oder trotz verschiedener Lösungsversuche bestehen bleibt – oder wenn sich für körperliche Beschwerden keine hinreichende medizinische Erklärung finden lässt.

Meine Arbeitsweise unterscheidet sich bewusst von klassischen, starren Aufstellungsformaten. Sie basiert auf gestalttherapeutischen Grundlagen und bezieht ergänzend Impulse aus dem morphischen Feld ein. Möglich sind sowohl Einzelaufstellungen am Familienbrett als auch Gruppenaufstellungen mit Stellvertreter:innen.

Hier teile ich 10 Dinge, die mich Familienaufstellen gelehrt hat. Ich könnte diese Liste noch unendlich fortsetzen – ergänzt um viele persönliche Erkenntnisse, Erfahrungen und Beispiele.

  1. Viele Themen und Herausforderungen stehen im Zusammenhang mit unserer Familie und können über Generationen hinweg wirken. Die Dynamiken unseres Familiensystems können uns (auch auf ganz subtile Weise) stärker prägen, als uns bewusst ist. Veränderung kann entstehen, wenn diese Zusammenhänge sichtbar und erfahrbar werden.
  2. Wenn wir bei uns selbst Veränderung ermöglichen, kann auch Bewegung in unser gesamtes Familiensystem kommen. Wie bei einem Mobile wirkt sich die Bewegung eines Teils auf das Gesamtgefüge aus. Ob andere Familienmitglieder diese Bewegung aufgreifen, liegt in ihrer eigenen Verantwortung. Was sichtbar und integriert werden darf, kann den Weg für mehr Ordnung im System öffnen – für unsere Ahnen und die kommenden Generationen.
  3. Ordnung im System bedeutet: Jeder nimmt seinen Platz ein, erfüllt die damit verbundenen Aufgaben, übernimmt Verantwortung für sich, trifft eigene Entscheidungen und trägt sein eigenes Schicksal – ohne sich mit fremden Schicksalen zu verstricken. Stimmt die Ordnung, kann Ruhe einkehren, jeder in seine Kraft kommen, der Ausgleich von Geben und Nehmen hergestellt werden und die Liebe wieder fließen.
  4. Bindungsliebe ist die stärkste Kraft in uns und beschreibt die tiefe Verbundenheit mit unserem Familiensystem und unser Bedürfnis nach Zugehörigkeit – nach dem Prinzip: „Ich mache es genauso wie ihr, dann gehöre ich dazu und bin euch nah.“ Aus Bindungsliebe können unbewusst Muster, Themen, Symptome übernommen oder aufrechterhalten werden, die diese Zugehörigkeit sichern.
  5. Eine früh unterbrochene Hinbewegung (UHB) zu Eltern/Bezugspersonen und die damit verbundene Erfahrung von Unerreichbarkeit gilt als Grundlage für Verstrickungen und Ordnungsstörungen. Sie kann u. a. mit Beziehungsschwierigkeiten und Mangelerscheinungen in Verbindung gebracht werden. Wird die UHB zu ihrem Ziel geführt, können tiefgreifende Veränderungen angestoßen werden. Es lohnt sich.
  6. Manchmal sehen wir in unserem Gegenüber unbewusst jemand anderen und übertragen Gefühle, Erwartungen oder alte Beziehungserfahrungen auf ihn (wie z. B. den eigenen Vater im Partner oder ein verlorenes Kind im eigenen Kind). In der Aufstellungsarbeit können solche Überlagerungen sichtbar werden. Die Verwechslung kann sich dann auflösen und es entsteht Raum für echte, heilsame Beziehungen.
  7. Laut Studien besteht bei ca. 20–30 % aller Schwangerschaften eine Mehrlingsanlage, bei der sehr früh unbemerkt ein Zwilling verstirbt. Beim überlebenden Zwilling werden u. a. eine diffuse Sehnsucht/Suche, Traurigkeit, Schuldgefühle und Verwechslungen mit diesem frühen Verlust in Verbindung gebracht. Eine Aufstellung kann die bewusste Begegnung mit dem verlorenen Zwilling ermöglichen sowie Raum für Abschied und Frieden schaffen.
  8. Wie sich systemische Zusammenhänge körperlich zeigen, bleibt oft unbewusst und wird häufig unterschätzt. Besonders interessant wird die systemische Perspektive, wenn etwas unerklärlich, unangemessen oder hartnäckig erscheint. Unser Körper drückt nicht nur unsere eigene Geschichte aus.
  9. Täterschaften entstehen häufig aus Liebe oder einem Mangel an Liebe, Bindung oder Zugehörigkeit. Wenn der Täter Verantwortung für seine Tat übernimmt, den verursachten Schmerz anerkennt, echte Reue empfindet und auch aufseiten der betroffenen Person Versöhnungsbereitschaft besteht, können Versöhnung und Frieden möglich werden.
  10. Aufstellungsarbeit kann gezielt dafür genutzt werden, Ressourcen für uns zugänglich zu machen, die Kraft, Orientierung und Unterstützung geben. Das können z. B. Menschen, Ahnen, innere Bilder wie Idealeltern, aber auch Qualitäten, Fähigkeiten, Orte oder andere stärkende Elemente sein.

Diese Dinge sollen dir einen kleinen Einblick in diese Arbeit geben, dich dazu inspirieren, deinen eigenen Blick darauf zu erweitern und dich einladen, Familienaufstellen selbst einmal zu erleben.

Wenn du mehr über diese Arbeit erfahren möchtest, findest du alle weiteren Informationen unter Angebote im Bereich „Familienaufstellen“ (Familienaufstellen – Lydia-Helen Pieles).

In Liebe,
Lydia

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