Lydia-Helen Pieles

10 Dinge, die mich Gestalttherapie gelehrt hat

Gestalttherapie ist eine Form der humanistischen Psychotherapie, deren Entwicklung in den 1940er-Jahren durch Fritz Perls und Laura Perls sowie Paul Goodman begann.

Im Kern geht es in der Gestalttherapie um Erwachen – um das Entstehen von Bewusstsein und Klarheit, das Folgen der eigenen Wahrheit sowie um Heilung, Selbstermächtigung und Freiheit im Denken, Fühlen und Handeln. Gestalttherapie ist Persönlichkeitsentwicklung: ein Prozess des Ent-Wickelns von dem, was wir in Wahrheit nicht sind und ein Weg zurück zu unserem wahren Sein.

Gestalttherapie unterstützt dabei, wieder bewusster mit uns selbst in Kontakt zu kommen und dadurch auch mit anderen Menschen und unserer Umwelt bewusster in Beziehung zu treten. Häufig wird diese Kontaktfähigkeit durch frühere Erfahrungen, Verletzungen, Prägungen oder erlernte Schutzstrategien beeinträchtigt.

Anders als der Begriff zunächst vermuten lässt, hat Gestalttherapie nur wenig mit Kunst zu tun. Als „Gestalt“ wird vielmehr ein innerer Prozess, ein Bedürfnis oder ein Thema verstanden, das nach Vollendung strebt. Bleibt etwas unvollständig oder unvollendet, sprechen wir in der Gestalttherapie von einer „offenen Gestalt“. Das können z.B. unerfüllte Bedürfnisse, ungelöste Konflikte, unausgesprochene Gefühle oder belastende Erfahrungen sein. Offene Gestalten zeigen sich immer wieder, bis das Unabgeschlossene gesehen und integriert werden kann. Solange sie bestehen, binden sie unsere Aufmerksamkeit und Energie und können der Entfaltung unseres Potenzials im Weg stehen.

Kommt eine offene Gestalt ins Bewusstsein, kann sie wahrgenommen, integriert und schließlich geschlossen werden. Dadurch verliert sie ihre bindende Kraft und es entsteht Raum für neue Erfahrungen, Sichtweisen und Möglichkeiten des Fühlens, Denkens und Handelns. Ein zentrales Anliegen der Gestalttherapie ist es daher, offene Gestalten bewusst erfahrbar und bearbeitbar werden zu lassen.

Hier teile ich 10 Dinge, die mich Gestalttherapie gelehrt hat. Ich könnte diese Liste noch unendlich fortsetzen – ergänzt um viele persönliche Erkenntnisse, Erfahrungen und Beispiele. Diese Dinge sollen dir einen kleinen Einblick in diese Arbeit geben.

  1. Unbewusste Prägungen, Glaubenssätze und Muster beeinflussen unser Denken, Fühlen und Handeln oft mehr, als uns lieb ist. Ihr Gewahrwerden schafft die Grundlage für Veränderung, denn erst was bewusst wird, kann verändert werden. So können alte Automatismen durchbrochen und das eigene Leben bewusster und selbstbestimmter gestaltet werden.
  2. Hinter jedem Verhalten liegt ein Lösungsversuch – ein Ausdruck unseres natürlichen Bestrebens, mit dem umzugehen, was uns begegnet.
  3. Das Ich wird am Du zum Ich – die Beziehung zu einem Du lässt uns zu dem Menschen werden, der wir sind. Wir entwickeln uns nicht isoliert, sondern im Kontakt mit anderen Menschen und in fortwährendem Austausch mit unserer Umwelt.
  4. Was in Beziehung verletzt wurde, kann nur in Beziehung wieder Heilung erfahren.
  5. Eine Beziehung zu haben bedeutet nicht automatisch, in Beziehung zu sein – und Begegnung bedeutet nicht automatisch echten Kontakt.
  6. Echter Kontakt mit anderen beginnt im Kontakt mit uns selbst – sind wir mit uns selbst in gutem Kontakt, können wir auch anderen Menschen und unserer Umwelt echter und wahrhaftiger begegnen. Wenn wir wach und präsent sind und unsere eigene Wahrheit kennen, ist echter Kontakt keine Frage mehr.
  7. Wir können nicht immer bestimmen, was uns im Leben begegnet – aber wir können in jedem Moment bewusst entscheiden, wie wir darauf antworten. Darin liegt unsere Selbstbestimmung.
  8. Unser Körper trägt Spuren unserer Erfahrungen und kann Erlebtes, Emotionen und unbewusste Themen widerspiegeln. Dabei bringt er auch zum Ausdruck, was unserem Verstand noch nicht zugänglich ist und zeigt uns, was ist. Unser Körper kennt die Wahrheit und lügt nicht.
  9. Das, was ist, darf sein. Das, was sein darf, verändert sich.
  10. Die Wahrheit heilt und befreit.

Wenn du bereit bist, ehrlich hinzuschauen, Verantwortung für dein Erleben zu übernehmen und neue Wege zu entdecken, kann Gestalttherapie tiefgreifende Veränderungsprozesse bei dir unterstützen.

Wenn du mehr über diese Arbeit erfahren möchtest, findest du alle weiteren Informationen unter Angebote im Bereich „Gestalttherapie“ (Gestalttherapie – Lydia-Helen Pieles).

In Liebe,
Lydia

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